Wind-driven white surf breaking against ochre limestone rocks in turquoise Adriatic water

Bura und Jugo: dalmatinisches Wetter lesen wie ein Einheimischer

Bura und Jugo sind die zwei Winde, die in Dalmatien das Wetter machen, und sie sind Gegensätze. Die Bura ist ein kalter, trockener, böiger Wind, der aus dem Nordosten von den Bergen herabfällt: sie schrubbt den Himmel, bis die Inseln wie aus Papier geschnitten wirken, drückt die Temperatur und überzieht das Meer mit Schaumkronen. Der Jugo kommt aus dem Südosten, warm und feucht, und bringt Wolken, Regen und eine lange schwere Dünung — dazu, sagen die Einheimischen, Kopfschmerzen und kurze Geduld. Wer sie unterscheiden kann, liest einen dalmatinischen Tag, bevor er die Läden öffnet — einschließlich der einzigen Frage, die praktisch zählt: fährt das Schiff?

Die Bura: kalt, klar und fotogen

Die Bura kommt plötzlich und benimmt sich, als fiele sie herab, statt zu wehen — sie stürzt in Böen von den Küstengebirgen, und im Winter ist sie am stärksten. Ihr Geschenk ist Sicht. An einem Bura-Tag ist die Luft gescheuert und das Licht glasig; vom Marjan sieht man Inseln, die sonst ein Gerücht sind, und die ganze Küste ist absurd scharf. Ihr Preis sind Kälte und Lärm: die Läden schlagen die Nacht durch, und das Meer wird weiß und böse. Kleiden Sie sich für zehn Grad weniger als die Zahl sagt, halten Sie sich an die windgeschützte Straßenseite, und gehen Sie auf den Marjan wegen der Aussicht Ihres Lebens.

Der Jugo: warm, nass und an allem schuld

Der Jugo — auch široko genannt, aus derselben Wortfamilie wie Scirocco — ist der graue. Er kommt aus dem Südosten über eine lange offene Seestrecke, also feucht, und drückt eine schwere Dünung an die Küste; sein Regen ist warmer Regen. An dieser Küste ist der Jugo ein anerkanntes soziales Phänomen: man schläft schlecht, streitet mehr, schreibt ihm Kopfschmerzen zu und sagt von sich, man sei „unter dem Jugo“. Es gibt die abgegriffene Geschichte, dass die alte Republik Dubrovnik ungern entschied, solange er blies. Nehmen Sie das als Folklore mit Pointe — dieser Wind kriecht in den Tag hinein.

Der Maestral: der, für den Sie gekommen sind

Der Sommerheld. Der Maestral ist ein Nordwest, der spätmorgens auffrischt, über den Nachmittag zunimmt und in der Dämmerung abstirbt — eine zuverlässige, kühlende Seebrise, der einzige Grund, warum ein dalmatinischer August erträglich ist, und der Grund für den berühmten Segelrevier-Ruf. Wenn Sie sich je gefragt haben, warum die Küste um vier Uhr auszuhalten ist, obwohl das Thermometer widerspricht: das ist der Maestral.

Zwei weitere, die man kennen sollte

Der Burin ist die Nachtschicht des Maestral: eine leichte Landbrise, die im Sommer nach Dunkelheit von den Hügeln kommt, kühl genug, um bei offenem Fenster zu schlafen. Der Garbin kommt aus dem Südwesten und kann an einem heißen Nachmittag als plötzliche Bö auftreten — glattes Meer, dann eine schwarze Linie am Horizont, dann räumen alle die Schirme ein. Wer in einem kleinen Boot sitzt, respektiert den Garbin. All diese Namen stammen übrigens von der venezianischen Windrose; das Windvokabular ist hier um Jahrhunderte älter als der Fährplan.

Was der Wind für Ihre Fähre bedeutet

Der praktische Teil. Starker Wind streicht zuerst die schnellen Katamarane — sie sind leicht und nur für Passagiere, und die Reedereien ziehen sie früh zurück. Die großen Autofähren sind deutlich robuster und fahren meist weiter, manchmal eingeschränkt. Eine ernste Bura ist der klassische Grund, warum ein Inselausflug verdampft; auch Jugo-Dünung kann das. Also: bei windiger Prognose und nur einer Chance auf Hvar oder Vis nehmen Sie die Autofähre statt des Katamarans, fahren Sie früh, und prüfen Sie am selben Morgen die Seite der Reederei.

Schwimmen — und wann nicht

Die Bura macht das Wasser kalt und kabbelig, aber klar; der Jugo macht es warm, trüb und rau, mit Unterströmung an den Stränden — das ist der Tag zum Auslassen. Nutzen Sie bei Jugo eine geschützte Bucht auf der anderen Seite der Halbinsel statt der exponierten Südstrände. Und ein Hinweis für Nebensaison-Gäste: packen Sie eine winddichte Schicht ein, nicht nur einen Pullover.

Den Tag vom Fenster lesen

Nach ein paar Tagen tun Sie das automatisch. Scharfes Licht, kalte Luft, schlagende Läden, weißes Meer: Bura — hoch hinauf, Jacke mitnehmen, Katamarane wahrscheinlich gestrichen. Weicher grauer Himmel, warme feuchte Luft, große langsame Dünung, alle leicht gereizt: Jugo — Museen, langes Mittagessen, keine Boote. Stiller Morgen, der in einen brisigen Nachmittag übergeht: Maestral — Strandtag. Aus unseren Ferienwohnungen in Veli Varoš hören Sie schon vor dem Aufstehen, welcher es ist: ein kleines Vergnügen und an Fährmorgen eine nützliche Information.

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